Forschungsprojekte
Joseph Beuys und die Anthroposophie
Im Jahr des 100. Geburtstages von Joseph Beuys habe ich mich intensiv mit diesem Ausnahmekünstler beschäftigt und werde das auch weiterhin tun: In einem Brief an Manfred Schradi schreibt Beuys, dass an ihn ein Auftrag von Rudolf Steiner ergangen sei, »auf meine Weise den Menschen die Entfremdung und das Misstrauen gegenüber dem Übersinnlichen nach und nach wegzuräumen«. Davon ausgehend interessiert mich, wie Joseph Beuys auf seine Weise und in seiner Zeit aus der Anthroposophie heraus gewirkt hat, diese aktualisierend. Das Projekt wird vom Forschungsfonds des Arbeitszentrums Frankfurt der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland dankenswerter Weise unterstützt.
Neuerscheinung:
Stephan Stockmar
»Ich bin ein Hase« Die Polarität Männlich-Weiblich als »Generator« im ›Lebenslauf / Werlauf‹ von Joseph BeuysDie Polarität Männlich-Weiblich durchzieht das ganze Leben und Werk von Joseph Beuys – von einem frühen Gedicht, in dem ein Jüngling und eine Jungfrau miteinander sprechen, über Zeichnungen, auf denen er die Geschlechter auf polare Weise charakterisiert, bis hin zu Skulpturen wie ›Jungfrau‹ und ›Bergkönig‹ und manchen weiteren Arrangements. Doch nicht nur in diesen Werken zeigt sich seine Beschäftigung mit der Grundpolarität des Menschseins seit dem biblischen Sündenfall, die in mancher Hinsicht an Jakob Böhmes »männliche Jungfrau« erinnert. Beuys geht noch weitere Schritte in eine existenzielle Auseinandersetzung: Im Rahmen von Aktionen, die bei ihm nie nur Rollenspiele sind, nimmt er als Mann auch Stellungen ein, wie sie für die gebärende Frau charakteristisch sind. Und er identifiziert sich im ernsten Spiel nicht nur mit mit einer weiblichen (Iphigenie) und einer männlichen (Anacharsis Cloots) Figur aus der Mythologie und Geschichte, sondern auch mit einem Tier, dem Hasen, der für ihn Wesensmerkmale beider Pole zeigt: »Also bin ich ein Hase. Ganz einfach. Ich bin gar kein Mensch.« Dabei sucht Beuys in den Polen immer auch das jeweils entgegengesetzte Element, so ein bewegtes Mittleren ausbildend: Der Künstler als Kunstwerk inmitten seines Kunstwerks.
Reihe ›Philosophie interdisziplinär‹ Band 56, Roderer Verlag Regensburg, 310 Seiten, 34,80 EUR
Inhaltsverzeichnis und Einleitung hier.
Bezug hier.
Hier meine bisherigen, meist veröffentlichten Texte zu Joseph Beuys:
Kompass Beuys – Werke aus der Sammlung Ludwig Rinn (Rezension)
Joseph Beuys und das Unsichtbare (Rezensionen)
Beuys-Symposion Goetheanum, Feuerstätte – die Drei
Beuys-Symposion Goetheanum Mai 2022
Beuys‘ erster Raum: Das Büdericher Ehrenmal
Joseph Beuys als Raumkurator in Stuttgart
Joseph Beuys und Wilhelm Lehmbruck – zwei Ausstellungen
Volker Harlan: »Mit Beuys Evolution denken« – Buchbesprechung
Man schaue was geschieht: Rudolf Steiner als Landschaftsarchitekt am Goetheanum
Rudolf Steiner kennt man in seinem künstlerischen Werk als Architekten, Bildhauer, Maler und als Autor von Mysteriendramen und Spruch-Dichtungen. Wenig bekannt ist sein Landschaftskunstwerk, das er als Umgebung des Goetheanum in Dornach geschaffen hat.
Zusammen mit Marianne Schubert, Landschaftsarchitektin und bis 2020 Leiterin der Sektion für Bildende Künste am Goetheanum, und unter deren Federführung habe ich seit 2018 an der erlebnismäßigen Erkundung und historischen Erforschung dieses Kunstwerkes gearbeitet. Die Ergebnisse sind als Buch im Verlag am Goetheanum in Dornach erscheinen.
Dieses Buch gibt ein Gesamtbild des Gartenparks um den Goetheanumbau und seine sogenannten Nebenbauten. Sensibilisierende Hinführungen und zahlreiche Bilder öffnen den Blick für die bewusste Begehung eines lebendigen Kunstwerks in der Landschaft: Man schaue, was geschieht.
Vom Hortus conclusus zum Weltgarten –
Der Garten als Bild und Entwicklungsort der Seele
Menschliche Autonomieentwicklung im sich wandelnden »entspannten Feld«
Ein Versuch, seelische Bewegungen und seelische Substanzbildung in der Selbst- und Weltbegegnung zu beschreiben, mit praktischen Bezügen zu Therapie, Pädagogik und Landwirtschaft
Dabei geht es u.a. um folgende Themen:
• Gartenmotive im Alten und Neuen Testament als Spiegel seelischer Entwicklungen (vgl. den Artikel Christus als Gärtner in: Die Christengemeinschaft 7-8/2017, S. 80-85; eine bebilderte Fassung findet sich hier).
In diesem Zusammenhang steht auch die Israel-Reise, an der ich Ende April/Anfang Mai 2017 teilnehmen konnte und über die ich hier berichte (eine etwas gekürzte Fassung ist erschienen in: die Drei 12/2017).
• Der Granatapfel: Lebensbaum – Liebesapfel – Todesfrucht. Zur Geschichte eines Symbols an den Schwellen des Lebens, in: die Drei 6/2018; Langfassung: hier. Sowie: »Worte sind reife Granatäpfel«. Der Granatapfel in der neueren Literatur.
• Von Gartentor und Ich-Turm: Abgrenzung und Selbstwahrnehmung im »Seelengarten« – im Gespräch mit der Ärztin Coelestine Sichelschmidt-von Kuyck
• Gartenarbeit wird zu Seelenarbeit – und umgekehrt
• ›Kinder-Garten‹ – ein »entspanntes Feld«: Orte und Situationen des Spiels in der menschlichen Entwicklung und in der Evolution im Hinblick auf die Entwicklung von Autonomie
Dieses Editionsprojekt wird von der Stiftung Forschungsförderung in der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland gefördert.