Zitat des Monats

Zitat des Monats – Dezember 2021

Bitte

von Hilde Domin

Wir werden eingetaucht
und mit den Wassern der Sintflut gewaschen
wir werden durchnässt
bis auf die Herzhaut

Der Wunsch nach der Landschaft
diesseits der Tränengrenze
taugt nicht
der Wunsch den Blütenfrühling zu halten
der Wunsch verschont zu bleiben
taugt nicht

Es taugt die Bitte
daß bei Sonnenaufgang die Taube
den Zweig vom Ölbaum bringe
daß die Frucht so bunt wie die Blume sei
daß noch die Blätter der Rose am Boden
eine leuchtende Krone bilden

und daß wir aus der Flut
daß wir aus der Löwengrube und dem feurigen Ofen
immer versehrter und immer heiler
stets von neuem
zu uns selbst
entlassen werden.

Aus: Hilde Domin, Sämtliche Gedichte, Frankfurt am Main 2016 (S. Fischer Verlag), S. 181f

Mit diesem Gedicht wünsche ich allen besinnliche Adventstage, eine lichtvolle Weihnachtszeit und ein inneren wie äußeren Frieden bringendes Neues Jahr!

Stephan Stockmar

Beiträge zum Beuys-Jahr 2021

Im Jahr des 100. Geburtstages von Joseph Beuys habe ich mich intensiv mit diesem Ausnahmekünstler beschäftigt und werde das auch weiterhin tun – siehe hier.

Hier meine bisherigen, meist veröffentlichten Texte zu Joseph Beuys:

Durch die Todeszone hindurch

»Joseph Beuys m Goetheanum« – und nicht nur dort. Zur Beuys-Rezeption in zwei anthroposophischen Zeitschriften

Joseph Beuys als Raumkurator in Stuttgart

Joseph Beuys und Wilhelm Lehmbruck – zwei Ausstellungen

Volker Harlan: »Mit Beuys Evolution denken« – Buchbesprechung

Kraftwerk Block Beuys

Bücherhinweis

»Im Spannungsfeld von Weltenkräften«

Ein neues Buch zum Motiv des Menschheitsrepräsentanten im künstlerischen Werk Rudolf Steiners

Mirela Faldey und David Hornemann v. Laer (Hg.): ›Im Spannungsfeld von Weltenkräften. Der Menschheitsrepräsentant in Rudolf Steiners Skulptur, Malerei und Glasradierung‹, Verlag am Goetheanum, Dornach 2020, 536 Seiten, mit zahlreichen z.T. farbigen Abbildungen, 78 EUR.

Es geht in dem von Mirela Falday und David Hornemann v. Laer herausgegebenen monumentalem Band um Rudolf Steiners künstlerische Darstellungen des »Menschheitsrepräsentanten« zwischen den antagonistisch wirkenden Wesen Luzifer und Ahriman. Dieses sogenannte »Mittelmotiv« hat er in dreifacher Form für den ersten Goetheanumbau in Dornach entworfen. Es wurde teilweise von ihm selbst, teilweise unter seiner Anleitung bzw. nach seinen Entwürfen ausgeführt: als neun Meter hohe Holzskulptur, die im Osten des kleinen Kuppelraumes hätte stehen sollen, als Malerei in der Kuppelwölbung direkt über diesem Standort und als Glasradierung im rosafarbenen Fenster der Nordseite des großen Kuppelraumes. Die nicht ganz vollendete Skulptur ist erhalten geblieben, weil sie zum Zeitpunkte des Brandes des aus Holz errichteten ersten Goetheanum in der Neujahrsnacht 1922/23 noch im Atelier stand. Die Malerei ist nur in Form von Fotos überliefert. Auch das dreiteilige Glasfenster wurde zerstört, doch nach den von Steiner entworfenen Motiven wurden für das zweite Goetheanum neue Fenster geschaffen, in der Form angepasst an die Gestaltung des Betonbaues.

Die Besprechung finden Sie hier

Zu dem Motiv des Menschheitsrepräsentanten  –Der Mensch zwischen Luzifer und Ahriman – hier

Marica Bodrožić: Pantherzeit

»Es ist jetzt die Zeit, in der alles neu wird und neu werden muss. Und ich, mein Körper und mein Denken bilden keine Ausnahme. Bevor etwas neu wird, muss das Alte in seiner Radikalität und Dunkelheit aufscheinen, es muss sich als Schatten zeigen. Wir werden Kraft brauchen, um das zu verstehen, was wir an Abgründigkeiten der Welt gegeben haben. Wir Menschen. Wir. Alle zusammen. Und jeder für sich. Ich weiß, dass der Schatten an mir schon Gefallen gefunden hat. Er wird nicht weichen. Er weiß, dass ich es jetzt weiß. Mein Unwissen kann mich nicht mehr vor seiner Beharrlichkeit schützen.«

Marica Bodrožić, aus: ›Pantherzeit. Vom Innenmaß der Dinge‹, Otto Müller Verlag Salzburg, 2021, S. 86; vgl. https://marica-bodrozic.de und https://www.omvs.at/buch/pantherzeit/

Das Buch ›Pantherzeit‹ von Marica Bodrožić zeugt von einem immerwährenden Selbst- und Weltgespräch, das in Zeiten der Pandemie an existenzieller Intensität gewinnt. Entstanden während des ersten Corona-Lockdowns im Frühjahr 2020, ist es gerade jetzt, während des nun schon lange  anhaltenden erneuten Lockdowns, besonders hilfreich, um den  immer größeren Herausforderung von innen her zu begegnen, vor die der Einzelne wie die Gesellschaft gestellt ist. Eine ausführliche Besprechung findet sich hier.

Wie das gesellschaftliche Corona-Experiment mir zum Selbstexperiment geworden ist, beschreibe ich hier.

 

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