Beuys sammeln
Christoph Otterbeck & Ludwig Rinn: ›Kompass Beuys. Werke aus der Sammlung Ludwig Rinn‹, Schirmer/Mosel Verlag, München 2023, 288 Seiten, 78 EUR
Endlich ist dieser zunächst als Katalog zu einer Ausstellung der Beuys-Sammlung von Ludwig Rinn im Kunstmuseum Marburg 2021/22 konzipierte Band erschienen. Er enthält neben einem langen Gespräch mit dem Sammler über Joseph Beuys und einem Gespräch, das Rinn 1978 mit Joseph Beuys anhand von Werken aus seiner Sammlung geführt hat, auch einige Werkbetrachtungen sowie Hommagen auf den Sammler und langjährigen Wegbegleiter von Beuys. Im Zentrum stehen aber die 137 gut reproduzierten Beuys-Werke – vor allem Zeichnungen aus allen Schaffensperioden (von 1940-1985), einige kleinere Objekte, Multiples und die Rauminstallation ›ö ö‹ (1972/81).
Als ein besonderer Mikrokosmos lässt die Sammlung Rinn auf geradezu poetische Weise Beuys’ revolutionäre Verwandlung des klassischen Kunstbegriffs hin zur jeden Menschen mit seinen individuellen schöpferischen Fähigkeiten einbeziehenden Sozialen Plastik nachvollziehen. Der nun vor- liegende Band mit seinen hervorragenden Abbildungen, den Gesprächen und ergänzenden Beiträgen bietet in diesem Sinne ein Okular auf das gesamte Schaffen von Joseph Beuys.
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Vom Zukunftsweisenden in Goethes Kunstauffassung
Christa Lichtenstern: ›Ich bin ein Plastiker‹. Goethes ungeschriebene Skulptur.sthetik‹, Deutscher Kunstverlag, Berlin & München 2022, 215 Seiten mit vielen, meist farbigen Abbildungen, 38 EUR.
Ich bin ein Plastiker., rief der 77-jährige Goethe in einem Gespräch mit seinem Freund Sulpiz Boisserée im Zorn über einen Kritiker aus, demonstrativ auf seinen geliebten Abguss einer monumentalen antiken Juno-Büste zeigend. Diese für einen Dichter erstaunliche Selbstaussage nimmt Christa Lichtenstern zum Anlass, Goethes ungeschriebene Skulpturästhetik nicht nur zu rekonstruieren, sondern ihr zukunftsgerichtetes Potenzial herauszuarbeiten.
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