Stanislaus Stückgold in Kronberg

Bilder für gestirngläubige Seelen

Stanislaus Stückgold in der Galerie Uwe Opper in Kronberg

»Schaffen ist Erlebnis zum Können geworden. Dazu ist zweierlei notwendig. Erstens: Selbstdisziplin. Zweitens: Gnade. Man soll jeden Augenblick bereit sein, sich auszulöschen, um das Wesenhafte der Umwelt aufzunehmen. Man muss aktiv und passiv sein können.« – Stanislaus Stückgold, 1917

Betritt man die Galerie von Uwe Opper in den historischen Räumen der (nie geweihten) Streitkirche in dem Städtchen Kronberg am Taunusrand, so ist der Eindruck überwältigend: An roten Wänden hängen stark farbige, z.T. großformatige Bilder mit menschlichen Figuren, Blumen oder geheimnisvollen Arabesken auf blauem Grund. Sie wirken mit ihren klaren Farben und einfachen Formen monumental und zart zugleich, sind Ausdruck von Sinnlichkeit ebenso wie von Askese, von Sehnsucht wie von Erfüllung, und zeugen von einer tiefen jüdisch-christlichen Religiosität. Wie aus der Zeit gefallen und doch nicht unzeitgemäß.

Wiederkehrende Motive sind eine weißhaarige und großkopfige Mosesgestalt, der Jesusknabe, Mutter/Maria mit Kind, der Gekreuzigte und Paradiesszenen. Dazu kommen ausdrucksstarke Prophetenköpfe, Porträts und Selbstbildnisse sowie – ein besonderes Kapitel im Schaffen des Künstlers Stanislas Stückgold (1868-1933) – die im Wortsinne phantastischen Tierkreisbilder (Pastelle): Arabesken aus Tier- und Menschengestalten, Mischwesen, pflanzlichen Formen, Sonnen, Monden und Sternen, die sich wie Imaginationen aus dem meist tiefblauen Grund herauslösen. Laut Albert Steffen nannte Stückgold Blau die Mutter aller Farben.

Vollständige Besprechung hier

Gemälde und Bilder aus dem Tierkreiszyklus: bis 25.10.2020; Öffnungszeiten: Di-Fr 10-12 und 15-18 Uhr, Sa 11-13 Uhr, So 11-17 Uhr. Galerie Uwe Opper, Tanzhausstr. 1 (Streitkirche), 61476 Kronberg am Taunus, www.galerie-opper.de

50 Jahre Kraftwerk Block Beuys in Darmstadt

In Bewegung zwischen Chaos und Ordnung:
50 Jahre Kraftwerk Block Beuys in Darmstadt

Stephan Stockmar

«Bewegte Skulptur kann sich für mich nur in einer Aktion realisieren – in einer Aktion, wo sie durch jene Grundstrukturen eines chaotischen Anfangs, der Bewegung durch die Mitte und endend in der Form erklärt wird. Dies geschieht in einer direkten oder einer noch einmal zurück in das Chaos gewendeten Bewegung, um im nächsten Moment wieder umzukehren.»

Joseph Beuys im Gespräch mit Richard Hamilton, in: Eva, Wenzel und Jessyka Beuys: Joseph Beuys Block Beuys (gekürzte Sonderausgabe), München 1997, S. 8.

Das Hessische Landesmuseum Darmstadt feiert 50 Jahre nach dessen Einrichtung den «Block Beuys» als ein Kraftwerk: Im April 1970 hat der Künstler selbst dort Schlüsselwerke und zahlreiche Objekte aus seinen vielen Aktionen in sieben Räumen inszeniert – als eine Art Wunderkammer in dem vor 200 Jahren begründeten Universalmuseum, das neben kunst- und kulturgeschichtlichen Sammlungen auch solche zur Naturgeschichte umfasst. Genau um diesen Kontext geht es Beuys: nicht Kunst um ihrer selbst willen, sondern in Verbindung zum Leben und seiner Geschichte. Naturwissenschaftliche Erkenntnisse sind für ihn ebenso Grundlage seines Schaffens wie spirituellen Erfahrungen an den Grenzen des Lebens.

Kraftwerk Block Beuys, bis 20. September 2020 im Hessischen Landesmuseum Darmstadt, www.hlmd.de.

Die vollständige Besprechung der Ausstellung hier

Zitat des Monats Februar/März 2020

»Ja, man ist Empfänger, aber man produziert das, was man empfängt, selbst aufgrund seiner eigenen kreativen Möglichkeit. Sonst wäre man ja einfach nur eine passive Durchgangsstation. Man schließt sich dem Inhalt, der überall und irgendwo ist, auf. Aber indem man ihn aufschließt, aus eigener Tätigkeit, das heißt aus Freiheit, verwandelt man auch den vorgegebenen Inhalt im Sinne des Menschen. Das heißt der Mensch ist der Schöpfer der Zukunft und kein anderer.«

Joseph Beuys zu Irmeline Lebeer, 1980, zitiert in: Eva Beuys, Wenzel Beuys: Joseph Beuys. Die Eröffnung 1965 … irgend ein Strang … Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt (Nr. IX der Schriftenreihe des Joseph Beuys Medien-Archivs), Berlin 2010, S. 56f.

Vgl. den unten stehenden Ausstellungshinweis »Kraftwerk Block Beuys«, bis 24. Mai 2020 im Hessischen Landesmuseum Darmstadt

Diese Äußerung von Beuys passt genau auf die gegenwärtige Situation: Passion und Ostern im Zeichen des Corona-Virus. Dazu hier einige Gedanken.

Wie das gesellschaftliche Corona-Experiment mir zum Selbstexperiment geworden ist, beschreibe ich hier