Mit der Kunst durch die Wildnis in und um uns

Zur Ausstellung »Wildnis«, bis 3. Februar 2019 in der Schirn Kunsthalle Frankfurt

Die Ende Oktober in der Frankfurter Schirn Kunsthalle eröffnete «Wildnis» ist nicht gefährlich. Wir gehen von Bild zu Bild bzw. Video, lesen brav in den erläuternden Texte an der Wand – z.B. dass für die CoBrA-Künstler «die Auseinandersetzung mit dem Tier als einer elementaren Dimension des Menschlichen» wesentlich war. Oder: «Durch die intensive, meist auch physische Auseinandersetzung mit den ungezähmten Kräften der Natur entstehen hier Werke, die Wildnis nicht vorrangig abbilden, sondern als einen integralen Bestandteil in sich tragen.»

Gedanken zum Thema und zur Ausstellung hier.

Gibt es anthroposophische Kunst?

Was also bleibt, um einen Begriff wie »anthroposophische Kunst« sinnvoll zu füllen? Letztlich doch nur die ›Weltanschauung‹ als Lehre. Doch mit Weltanschauungskunst in diesem Sinne hatte Rudolf Steiner nun wirklich nichts am Hut. Wenn die Anthroposophie wirklich universell sein will, ist es wenig hilfreich, sie mittels einer beschränkenden Begrifflichkeit durch Abgrenzung zu behaupten.

Ganzer Beitrag hier.

Samstag, 8. Dezember 2018, 20 Uhr: Goetheanum / Schreinerei in Dornach/Schweiz
Podiumsdiskussion: Gibt es anthroposophische Kunst?
Mit Jasminka Bogdanovic, John Ermel, Prof. Dr. Reinhold Fäth, Prof. Dr. Roland Halfen, Dr. Claudia Schlürmann, Marianne Schubert, Dr. Stephan Stockmar. Moderation: Ruedi Bind

Die Diskussion findet im Rahmen der Veranstaltung der Sektion für Bildende Künste am Goetheanum statt:

250 Werke von 120 Künstlern aus 16 Ländern
Überblick über das zeitgenössische Kunstschaffen aus anthroposophischen Quellen
7.-9. Dezember 2018 in der Schreinerei am Goetheanum: Verkaufsausstellung, Auktion, Führungen, Vortrag usw.

Weitere Informationen hier.

Zitat des Monats November

»Und nun gehört es wieder zu den bedeutsamen, inneren großen Erlebnissen, dass wir uns, auf einen Schicksalsschlag zurückblickend, nicht sagen: Er hat uns getroffen, er ist uns durch einen Zufall zugestoßen, sondern dass wir uns sagen: In diesem Schicksal haben wir schon gesteckt; dadurch haben wir uns erst zu dem gemacht, was wir heute sind. […]Das Zusammenwachsen mit dem Schicksal wird erlebt. Das Ich dehnt sich aus über das Schicksal. […] unser Wille, unser gefühlsgetragener Wille wächst in die Zeitenweiten zurück, wächst sich aus, so dass er mit unserem Schicksal zusammenfällt, wird immer stärker. Indem wir uns mit unserem Schicksale eins fühlen, erleben wir nicht das Sterben in den Gedanken, sondern ein immer Lebendiger- und Lebendigerwerden des Willens. Während der Wille zunächst in dem einzigen Punkte unserer Gegenwart konzentriert ist und wir ihn in unsere Taten und Worte ausfließen lassen, dehnt er sich, wie von einem kleinen Keimpunkte, in dem Zeitenstrom zu dem aus, was nach rückwärts leuchtet, was uns selber gewissermaßen geschaffen hat.« – Rudolf Steiner am 26.11.1914

Unter diesem Aspekt schaut Martina Maria Sam in ihrem neuen Buch auf Kindheit und Jugend Rudolf Steiners:
Martina Maria Sam: Rudolf Steiner. Kindheit und Jugend 1861-1884, Dornach 2018. Besprechung hier.

David Nash: Verwandlung mit dem Holz

Eine Ausstellung in Bad Homburg, in den Jakobshallen der Galerie Scheffel, Dorotheenstraße 5
Bis 26. Januar 2019. Öffnungszeiten: Mi-Fr 14-19 Uhr, Sa 11-15 Uhr

»Jene Lebenskräfte, die das Wesen der Substanz Holz bilden, besitzen eine Art Ur-Intelligenz, die mich im tiefsten Inneren berührt hat und die mit meinem ganzen Denken und Fühlen verschmolzen ist. Aus dieser Verbindung, so scheint es, entstand ein Weg für einen unverbrüchlichen Grundgedanken – eine Art Lernen. Er führt zu Ideen, Handlungen, Fragen. Jede Frage eröffnet eine neue Schicht von Bewusst-Sein, jede Handlung ist ein Schritt, der einen Gedanken auf Umsetzbarkeit prüft.« – David Nash, 2003

Holz. Behauenes Holz. Gehöhltes Holz. Eingeschnittenes Holz. Durchbrochenes Holz. Verkohltes Holz. In Bronze gegossenes Holz …

Ort des Begegnung: Die Jakobshallen der Galerie Scheffel, mit der David Nash schon seit zwanzig Jahren zusammenarbeitet. Im großen, gewölbten Hauptraum – einem 300 Jahre alten ursprünglichen Kirchenraum, der die letzten 100 Jahre als Turnhalle genutzt wurde – entsteht durch die Anordnung der Werke eine regelrechte Installation: Im Hintergrund wacht ein hoch aufragendes, schwarzes Königspaar – ›King and Queen‹. Rechter Hand lagert der zerfurchte riesige ›Black Budd‹. Links ein ebenfalls in schwarze Bronze gegossener Doppelstamm: ›Ladle and Spoon‹, den man auch als aufeinander sitzendes keckes Paar anschauen kann. Dazwischen treiben drei grau verwitterte Eichenholzteile wie Schiffe in der Strömung. Die vordere Mitte des Raumes wird von zwei schlank-pyramidalen Säulen aus hellem Holz flankiert. Die linke Säule (Linde) durch Schnitte horizontal gegliedert, als ob mehr oder weniger verzogene quadratische Bretter aufeinandergestapelt sind. Die rechte Säule (Buche) wie aus vertikal zusammengesetzten Schindeln oder Schuppen gebildet. Vorne in der Mitte »taumelt« ein mächtiger Kubus aus verkohltem Sequoia-Holz. Auf den ersten Blick etwas unscheinbar, zieht mich der ausgehöhlte und verkohlte rundliche Eichenstumpf in der vorderen rechten Ecke in seinen Bann. Hoch an der Wand stehen drei kleine Kreuze wie menschlich Gestalten auf einem Querbalken, einen Eigenraum wie eine Art Altarnische um sich bildend. Als Gegenstück dazu steht aufrecht an der linken Wand, durch vertikale und horizontale Schnitte gesetzmäßig gegliedert, ein ›Charred Panel‹, wie die drei Kreuze aus verkohlter Eiche. Nicht zu vergessen die beiden hell-hölzernen käferartigen ›Clams‹, die zwischen den meist dunklen Gestalten ihr Wesen treiben. Ebenfalls wie aus einem Dazwischen leuchten drei Pastelle in den Farben des Eichenlaubes im Wechsel der Jahreszeiten – von Dunkelgrün bis Orange – in den Raum hinein. Ich bewege mich in ihm wie zwischen elementarischen Wesen, die freundlich oder streng, mächtig oder majestätisch, keck oder innig-zurückhaltend die verschiedensten Seiten und Schichten meiner Seele berühren, denen gegenüber ich mich auch leiblich positionieren muss und die meinen Geist auf vielfältige Weise beleben.

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Jachin und Boas – »zwischen beiden ist das Leben« (R. Steiner)

Von der Metamorphose der Paradiesesbäume
Stephan Stockmar – Vortrag mit Lichtbildern

Die beiden mit hunderten von Granatäpfeln geschmückten baumartigen Säulen vor dem salomonischen Tempel, Jachin und Boas, sind von einem Geheimnis umgeben. Sie spielen in der jüdischen Kabbalistik ebenso eine Rolle wie in der Freimaurerei. Rudolf Steiner hat sie 1907 in die künstlerische Ausgestaltung des Saales einbezogen, in dem der Münchner Kongress der Theosophischen Gesellschaft stattfand. Sie stehen an den Schwellen des Lebens, menschheitlich wie individuell, und fordern dazu heraus, die Mitte auszubilden. Solange das Leben nicht erstarrt, bleibt ihr Geheimnis bestehen. Ihre Metamorphose »zu erklären« (Goethe) gelingt nur vom Menschen aus – und bleibt immer ein Versuch.

Freitag, 9. November 2018, 20 Uhr, Anthroposophische Gesellschaft, Rudolf Steiner Zweig Köln, Haus für Anthroposophie, Burgunderstraße 24, 50677 Köln

Mittwoch, 27. Februar 2019, 20 Uhr, Anthroposophische Gesellschaft, Zweig Kassel, Wilhelmshöher Alle 261, 34131 Kassel

Weitere Themen siehe hier.

Vergangene Vorträge siehe hier.